Illegales Streaming in Köln: Polizei durchsucht Serverfarm
Ein Schlag gegen organisierte Cyberkriminalität: Ermittler der Polizei Köln haben am Mittwochmorgen (26. März) im Stadtteil Mülheim eine professionell betriebene Streaming-Infrastruktur entdeckt und stillgelegt. Der Einsatz erfolgte auf Antrag der Staatsanwaltschaft Köln und basierte auf einem richterlichen Durchsuchungsbeschluss. Im Fokus: ein 57-jähriger Mann, der im Verdacht steht, kostenpflichtige Inhalte eines Streaming-Anbieters abgefangen und gewinnbringend weiterveräußert zu haben – ohne jegliche Lizenz oder Zustimmung des Rechteinhabers.
Ziel der Maßnahme war ein Wohn- und Geschäftskomplex in der Keupstraße. Dort stießen die Cybercrime-Spezialisten der Polizei Köln im Keller des Mehrfamilienhauses auf ein technisches Zentrum, das in seiner Professionalität selbst erfahrene Ermittler überraschte. In einem abgedunkelten Raum, ausgestattet mit Server-Racks, Receivern, Encodern, SAT-Verteilern und sechs leistungsstarken Ventilatoren zur Kühlung, lief ein System, das offensichtlich über Jahre hinweg ein illegales Streaming-Angebot am Laufen hielt.
Der Zugriff auf ein zentrales Admin-Panel offenbarte das Ausmaß des Betrugs: Rund 4.000 registrierte Nutzer, davon etwa 400 zur Zeit der Durchsuchung aktiv online. Die Nutzer konnten aktuelle Filme, Serien und Live-TV empfangen – ohne legales Abonnement, aber gegen Bezahlung an den Betreiber. Für die Rechteinhaber bedeutete das einen erheblichen finanziellen Schaden.
Ausgangspunkt der Ermittlungen war eine Strafanzeige eines bekannten Streaming-Dienst-Anbieters, der auf verdächtige Zugriffsmuster und illegale Verbreitung seiner Inhalte aufmerksam wurde. In monatelanger Kleinarbeit verfolgten die Ermittler die digitalen Spuren bis nach Köln-Mülheim.
Die nun sichergestellten Geräte, Speichermedien und Nutzerlisten werden aktuell kriminaltechnisch ausgewertet. Dabei konzentrieren sich die Ermittler nicht nur auf den mutmaßlichen Betreiber des Netzwerks, sondern auch auf die Konsumenten: Alle identifizierten Nutzer, die wissentlich illegale Streaming-Dienste bezogen haben, müssen mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen. Der Vorwurf lautet auf Beihilfe zur Urheberrechtsverletzung.
Der Fall zeigt exemplarisch, wie hochprofessionell und arbeitsteilig Cyberkriminalität heute organisiert ist – und mit welchem technischen Aufwand illegales Streaming betrieben wird. Für Ermittlungsbehörden bleibt die digitale Piraterie eine der zentralen Herausforderungen der Gegenwart.
Ein Verfahren gegen den 57-jährigen Hauptbeschuldigten wurde eingeleitet. Ihn erwartet nun ein Strafverfahren wegen gewerbsmäßiger Urheberrechtsverletzung und Betrugs. Die weiteren Ermittlungen, insbesondere zur Finanzstruktur des Geschäftsmodells und möglicher Komplizen, dauern an.